Sind so kleine Dramen

Eine Platte über die Lebenslust sollte es werden, eine Platte über die Lebenslust ist es geworden – «Fürne Königin» von Trummer. Wer die Karriere des gebürtigen Frutigers ein wenig verfolgt, dem wird eins rasch klar: Zweimal dasselbe bieten, das mag der Musiker nicht. Sein Debüt «Night Light» (2004) ergab sich ganz und gar dem englisch gesungenen Americana, danach folgte Trummer kurz dem Indie-Pop, wechselte zur Berner Mundart, wurde erst folkiger, dann melancholischer und nun darfs mitunter wieder rocken. «Dem weiten Feld des Singer/Songwriter-Folkrocks bleiben wir treu», sagt Trummer. Darin hätten ja sowohl die Counting Crows wie Bonnie Prince Billy Platz. «Ich glaube, wir haben unseren Radius mit dem neuen Album schon erweitert.» Aber letztlich sei es ihm ohnehin wichtiger den Songs gerecht zu werden, als verkrampft neue Wege zu suchen.

Und: Eine Bandplatte sei es geworden, wie der 32-Jährige betont. «Ich habe die Arrangements stärker zusammen mit meinen Kompagnons gemacht und ihnen mehr Raum gelassen, sich selbst zu sein.» Wo «Dr ganz Wäg zrügg» (2009) von Abschied und Neuanfang handelte, würden bei «Fürne Königin» die Figuren in den Liedern nun irgendwo mittendrin stehen und nur mal schnell Zwischenbilanz ziehen. «Und in den diesmal kleineren Dramen haben sich für mich dann doch die grösseren und spannenderen Fragen gefunden …» Von welchen Fragen wird denn Trummer momentan besonders angetrieben? Seine Antwort: «Wo soll das alles hinführen? Und hab’ ich auch was dazu zu sagen?»

Hat er.

Denn so sehr die Musik seiner Songs auch einzunehmen und zu betören vermag, so wenig muss diskutiert werden, welches denn Trummers allergrösstes Talent ist: das Schreiben, das Liedtexten. Seine Figuren und Geschichten verhaften nicht im Zweidimensionalen, diese schaffen es, lebendig zu werden und dem Hörer nachzueilen, ihm nahe zu kommen. Was vielleicht erklärt, weshalb Protagonisten wie Jenä – aus dem Song «Chunnt scho guet» – auf der neuen CD ein Comeback feiern dürfen. Trummer ist ein feiner Beobachter, ein Chronist, der um passende Worte nie verlegen ist. Man dürfe diesen Songs gern auch widersprechen, erklärt Trummer. «Das würde ich sogar toll finden. Ich habe keine Botschaft zu verkünden, keinen Anspruch auf Richtigkeit.»

Auf eine Band pocht Trummer derzeit öfters als auch schon, schliesslich hat er eine Bandplatte eingespielt und befindet sich obendrein gard auf Bandtour. Zwischendurch hats aber weiterhin noch ein wenig Platz für Soloauftritte. Und zwar gar nicht so ungern. Bei diesen nehme er sich viele Freiheiten, probiere neue Sachen aus, andere Arrangements. «Das geniesse ich.»

Wer eine kleine Fahrt auf sich nehmen mag, kann Trummer am Samstag gleich zweimal schauen gehen. Morgens solo am St. Jakob-Park-Fest, abends mit Band am Natural Sound Festival im Kiental. Mindestens einen der beiden Auftritte sollte man sich schon gönnen.

Trummer: «Fürne Königin» (Endorphin/Irascible)

Live: Sa, 9.7., 11 Uhr, St. Jakob-Park und 20.30 Uhr, Natural Sound Festival, Kiental (BE) – zusammen mit Shirley Grimes

www.trummeronline.ch

Und dann noch dies:

Welches war deine erste (selbst gekaufte) Platte?

Elvis Presley, «Heartbreak Hotel». Ehrlich. «Final Countdown» von Europe war dann die zweite, ohne Peinlichkeiten komme ich nicht davon.

Welches die bislang letzte?

Ich mache meist Hamsterkäufe. Das waren Sun Kil Moon, «Admiral Fells Promises», und die neuen von Bon Iver und Gus MacGregor.

Singst du unter der Dusche und wenn ja: was?

Nein. Ich versuche sogar da Musik zu hören.

Welcher Song gehört auf die Compilation für den/die Liebste/n?

Wieder nur einen darf ich? Geht nicht, sorry. Deshalb:

«Ida Square» von Adrian Weyermann.

«When I See You Smile» von Bic Runga

«Worry All The Time» von Denison Witmer

«Take It With Me» von Tom Waits

«July» von Boy

baseltickt | , , , | Link

Hinterlasse eine Antwort